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Hermann Nitsch in der Albertina Wien

Verantwortlicher Autor: Schura Euller Cook Wien, 21.05.2019, 13:55 Uhr
Kommentar: +++ Kunst, Kultur und Musik +++ Bericht 5667x gelesen

Wien [ENA] Die Albertina hat ihre Kellerräume ganz den Schüttbildern von Nitsch gewidmet. Dort bilden diese einen eigenartigen Kontrast mit dem zwar perfekt renovierten, doch sterilen Keller der Albertina. Wenn man bedenkt, dass Nitschs zentrales Annliegen es ist alle Sinne anzusprechen und durch diesen "Daseinsrausch" zu berühren und ekstatisch-exzessiv die Grenzen der Kunst auszuloten, dann ist das dort nicht ganz gelungen.

Eher wie eine traurige Schmetterlingssammlung in einem Glaskabinett hängen die Bilder eigenartig monoton in ihrer Aussagekraft, nicht zur Form gefunden, tränend und rinnend, blutig und einsam. Wer ist dieser Hermann Nitsch, der schon seit Jahrzehnten den Kunstmarkt irritiert und inspiriert und der sich so eindringlich in Szene setzt? Ein Hohepriester der Kunst oder ein wüster Aktionist? 1938 in Wien geboren, studierte er Graphik und beschäftigt sich mit Literatur, Musik und Philosophie. 1962 finden Nitschs erste Aktionen statt. Sein Umgang mit Blut und geschlachteten Tieren erregen Österreich. Die Kunstwelt kann und will ihn nicht übersehen. Secession, Staatsoper, Burgtheater und Galerien bespielt er mit Bildern und Inszenierungen.

Gewissermaßen wühlt er nicht nur in den Eingeweiden seiner Opfertiere und verspritzt und verschüttet ihr Blut und ihren Kot, sondern er wühlt auch in den Eingeweiden seiner Anhänger, seines Publikums. Er berührt, aber immer auf eine archaische Weise. Die alten Opferrituale frühmenschlicher Gesellschaften werden wach. Er erlaubt uns die Regression in eine fast vergessene Welt, zur frühkindlicher und tierischer Lust am suhlen im Schlamm, Blut und Farben. Als Aktionsmaterial für sein legendäres 6-Tage-Spiel des Orgien Mysterien Theaters, das vom 3. bis 9. August 1998 in und um Schloss Prinzendorf aufgeführt wurde, verwendet er 1 Tonne Tomaten, 1Tonne Trauben, 1000 Liter Blut 20.000 Blumen und geschlachtete Tiere.

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